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Erscheinungen, Botschaften, Wunder
 

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Teil 3 Kapitel 7, Seite 127 ff

   
































































Alles Ist Gnade, alles ist Geschenk an mich, das Alltägliche, wie das Ausserordentliche, also auch Erscheinungen, Botschaften und Wunder. So wie Ich das Alltägliche dankbar aus Gottes Hand annehmen darf, so darf ich auch alles wunderbare entgegennehmen als Zeichen seiner Liebe, als Mittel zu meiner Heiligung, als Mahnung und Belehrung, die er mir in seiner weisen Pädagogik zukommen lässt. Doch darf ich dabei nie vergessen, dass gerade das Ausserordentliche, das Wunderbare auch Stolpersteine enthält, denen ich sorgfältig ausweichen muss, um nicht plötzlich auf der Nase zu liegen. 

Zum einen muss das Ausserordentliche eben immer ausserordentlich, wunderbar bleiben. Wo Erscheinungen, Botschaften und Wunder zur Hauptsache meines Lebens werden, da vernachlässige ich schnell einmal den Alltag, da wird schnell einmal der ganz alltägliche Weg zu Heiligkeit, zudem ich eigentlich berufen bin, weniger wichtig. Dann beginne ich Dinge zu vernachlässigen, die meine eigentliche Aufgabe hier und jetzt wäre, mein Umgang mit meinen Mitmenschen zum Beispiel, mein Verhältnis zu meinen täglichen Pflichten, die ganz normalen Gottesdienste und so weiter. Doch nicht um Zeichen und Wunder zu erleben bin ich auf Erden, sondern um im Alltag Gottes Willen zu erfüllen. 

Zum anderen verleitet mich das Ausserordentliche schnell einmal dazu, mich selber als ausserordentlich zu empfinden, als besser vielleicht, als würdiger, heiligmässiger als jene, die solche Gnaden nicht erhalten oder nicht wahrnehmen. Ich verfalle dann in das Gebet des Pharisäers: "Ich danke Dir, mein Gott, dass ich nicht so bin wie jene, die Deinen Erscheinungen und Botschaften keine Beachtung schenken, die nicht glauben!" Das aber ist nichts anderes, als eine äusserst raffinierte Versuchung Satans. Wenn ich gewürdigt werde, mit dem ausserordentlichen Wirken Gottes in Kontakt zu kommen, wenn ich fähig bin, dieses zu erkennen und zu verspüren, ja wenn ich vielleicht selber in meinem Leben Wunder erleben durfte, so wird dadurch nur meine eigene Verantwortung um so grösser, so sollte ich deswegen nur noch besser meine ganz alltägliche Berufung leben. 

Eine weitere Versuchung, der ich in solchen Situation schnell einmal erliege, ist es, den Äusserlichkeiten eine Wichtigkeit zuzuschreiben, die sie nicht haben. Nie darf es zum Beispiel der Seher sein, der für mich im Zentrum der Ereignisse steht. Es darf immer nur um Gott und seinen Willen gehen. Nicht das Wunder an sich darf für mich wichtig werden, sondern immer nur die Grösse und Liebe Gottes und das, was er mich durch dieses Zeichen sagen will. Es bringt mir überhaupt nichts, an einem bestimmten Erscheinungsort gewesen zu sein, wenn es mir zuerst einmal darum geht sagen zu können, auch ich sei dort gewesen. Eine Viertelstunde Anbetung vor dem Allerheiligsten wäre dann bedeutend heilsamer. Sollten nicht grundsätzlich die reale Gegenwart unseres Herrn im Allerheiligsten Sakrament und die Heilige Schrift als sein real gegenwärtiges Wort für mich immer und überall die grösste Erscheinung, das wichtigste aller Wunder, die alles entscheidende Botschaft sein? 

Wenn ich mich bemühe, alles von Gott, von Christus her zu betrachten und mich dabei durch meine Mutter, die heilige Kirche leiten lasse, laufe ich viel weniger Gefahr, irgend etwas an solchen Erscheinungen und Botschaften allzu einseitig oder gar falsch zu verstehen, die falschen Schlüsse daraus zu ziehen und dann plötzlich in Irrtümern zu landen. Sehr oft nämlich sind solche Botschaften gar nicht so leicht zu verstehen. Und die Versuchung, selber wissen, selber verstehen zu wollen ist gerade in diesem Bereich sehr gross. Nicht umsonst legt unsere Kirche diesbezüglich immer eine grosse Zurückhaltung an den Tag. Besonders aber dort, wo irgendwelche Vorhersagen oder gar Endzeitprophezeihungen ins Spiel kommen muss ich mir immer bewusst bleiben, dass mein beschränkter Versand meist gar nicht in der Lage ist, diese richtig und in ihrer ganzen Bedeutung zu erfassen. 

Überall aber, wo Gott wirkt, da ist auch Satan nicht ferne. Er wird immer versuchen, das Wasser auf seine Mühlen zu leiten, sei es, dass er selber zu Täuschung und Betrug greift, gutgläubige Menschen verwirrt, falsche Erscheinungen, Botschaften und Wunder produziert, sei es dass er versucht, den menschlichen Stolz, die menschlich Schwäche auszunützen um das echte Wirken Gottes zu entstellen, um gutgläubige Seelen zu falschen Haltungen und Aussagen zu bewegen. Eines seiner Ziele ist es ja immer, die Kirche unseres Herrn in Verruf zu bringen, zu spalten und zu zerstören. Ich muss also immer aufpassen, dass er in mir nicht einen jener nützlichen Idioten findet, der sich dazu missbrauchen lässt.

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