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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Der Zölibat
24. Januar 2018

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„Immer wieder entbrennt die Diskussion um den Klerikerzölibat. Und immer wieder taucht die Behauptung auf, dieser sei erst im 11. Jahrhundert definiert worden. Alfons Maria Kardinal Stickler dagegen weist in seinem – leider vergriffenen – Büchlein „Der Klerikerzölibat“ nach, dass dieser aller Wahrscheinlichkeit nach bis auf die ersten Christen, vermutlich auf die Apostel zurückgeht. So zitiert er zum Beispiel, was Jahre 390 erlassen und in den folgenden afrikanischen Konzilien wiederholt wurde, um schließlich in den „Codex Canonum  Ecclesiae Africanae" einzugehen.  Hier der Text:

„Daß die Keuschheit von den Leviten und Priestern behütet werde.”

Der Bischof Epigonius sagte: Da im vorausgehenden Konzil über die Enthaltsamkeit und Keuschheit gesprochen wurde , sollen die drei Grade, die auf Grund der Weihe durch eine gewisse Verpflichtung der Keuschheit verbunden sind - nämlich der Bischof, Priester und Diakon - , durch einen voll¬ ständigeren Unterricht über die Bewahrung der Reinheit belehrt werden.

Der Bischof Genetlius sagte (darauf): Wie oben gesagt wurde, ist es angebracht, daß die heiligen Vorsteher und Priester Gottes sowie die Leviten oder alle, die den göttlichen Sakramenten dienen, in allem enthaltsam sind, damit sie das, was sie in aller Schlichtheit vom Herrn erbitten, erlangen können; damit so, was die Apostel gelehrt haben und was ein alter Brauch bewahrt hat, auch wir behüten.

Einstimmig sagten darauf die Bischöfe: Wir alle sind uns darüber einig, daß Bischof, Priester und Diakon, die Schützer der Keuschheit, sich auch selbst ihrer Ehefrauen enthalten , damit in allem und von allen die dem Altare dienen, Keuschheit  beobachtet werde."

Ich bin weder Theologe noch Historiker. Dieses Dokument aber zeigt deutlich, dass die Frage des Zölibates die Kirche seit der Zeit der Apostel immer wieder beschäftigt hat. Immer wieder geriet dieses hohe Ideal in Vergessenheit und musste wieder in Erinnerung gerufen und die nötigen Massnahmen ergriffen werden um es neu zu beleben. Das geschah dann auch im 11 Jahrhundert. Die Aussagen jenes Konzils als Ursprung des Klerikerzölibats zu bezeichnen ist historisch eindeutig falsch.

Wenn nun heute die Diskussion wieder aufflammt, so sollten wir doch die Lehren aus Geschichte ziehen. Mit der Erneuerung des Zölibats war immer – wenn meine Professoren damals nicht gelogen haben – auch eine Erneuerung der Kirche verbunden. Deshalb sollten auch wir heute alles daran setzen, dieses so kostbare Heilsmittel für unsere Kirche und unsere Welt wieder neu zu beleben. Schon gar nicht dürfen wir der Versuchung erliegen, es aufzuweichen oder gar aufzuheben. Damit würden wir nur dem mehr denn je grassierenden Egoismus und der Gottvergessenheit von heute Vorschub leisten. Die Welt braucht Vorbilder, gerade auch Vorbilder einer tiefen Gottesbeziehung bis hin zur Ganzhingabe an Gott.





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