Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Selig die Armen

  Mt 5,3
 
die im Geist Armen

6. Mai 2018

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"Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; / denn ihnen gehört das Himmelreich."

"Niemand soll eure Agenda diktieren, außer den Armen, den Letzten, den Leidenden", sagte jüngst unser Heiliger Vater zu Medienschaffenden. Wenn wir diesen Satz so lesen, so scheint er auf den ersten Blick die materiell Armen, die Letzten in den Augen dieser Welt, die physisch und psychisch Leidenden zu meinen, so scheint dies eine Parteinahme für jene, und gegen die Reichen, die Mächtigen, die Unterdrücker und Umweltzerstörer zu sein. Ist es das, was Christus der Herr in der Bergpredigt gemeint hat?

Ganz klar ist, besonders wenn wir auch noch den Rest der Seligpreisungen dazu nehmen, dass wir als Jünger des Herrn uns nicht darum herumdrücken können, für unsere Nächten da zu sein, ihnen Zuwendung zu schenken und Hilfe zu leisten, von den Allernächsten bis zu den weit entfernten. Aber einerseits, dürfen wir dies wirklich in einer parteiischen Art und Weise tun? Und andererseits, sind in den Augen Gottes nicht gerade jene die wirklich Armen, welche "seiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen"?

Gott ist nie parteiisch. Er liebt die Reichen genauso wie die Armen. Und am meisten liebt er die armen Sünder, ob diese nun materiell arm sind oder reich. "Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren", (Lk 15,7) Und wenn jener dann zu den Reichen und Mächtigen gehört, und sich deshalb nun auf seine Verantwortung vor Gott für seinen ganzen Reichtum und seine ganze Macht besinnt, dann sollte eigentlich auch auf Erden Freude herrschen.

Zu Recht schreibt der Kommentar in der Einheitsübersetzung: "Wörtlich: die im Geist Armen. Gemeint sind Menschen, die wissen, dass sie vor Gott nichts vorweisen können, und die daher alles von Gott erwarten." Es ist eine alte Erfahrung, dass materieller Reichtum und Macht eine solche Einstellung nicht gerade leicht machen. "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt." (Mk 10,25) Doch auch in der materiellen Armut gibt es Stolpersteine, Unzufriedenheit, Neid bis hin zum Hass, Forderungsmentalität bis hin zu Gewaltanwendung, oder anders ausgedrückt, mangelndes Gottvertrauen bis hin zur Auflehnung gegen ihn.

Selig, die im Geist Armen. Diese Armut im Geist zu leben und zu verkünden, das ist unsere Aufgabe, das ist auch die Aufgabe der Kirche. Nur in diesem Geist kann eine friedlichere und gerechtere Welt aufgebaut werden, denn auch im Himmelreich– davon bin ich überzeugt – wird ein solcher Geist herrschen.


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