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Geistesblitze - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Der liebe Gott

  Nicht mehr zeitgemäss?

11. November 2020
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In einer Predigt übte der Priester Kritik am Begriff: «Der liebe Gott». Wie er dies genau  begründete weiss ich nicht mehr. Persönlich aber kann ich eine solche Kritik nicht nachvollziehen.

In meiner Kindheit und Jugendzeit war diese Sprechweise sehr beliebt und weit verbreitet. Gerade für uns Kindern war sie sehr tröstlich. Erst mit dem Aufkommen des Modernismus wurde sie beiseitegeschoben. Gleichzeitig aber wurde auch eine andere, ebenfalls sehr beliebte und verbreitete Sprechweise abgeschafft, nämlich der Begriff "Herrgott". Was blieb war zuerst die Rede von der Liebe Gottes und dann von „Gott ist (die) Liebe“.

Diese Entwicklung ist meines Erachtens ein schönes Beispiel dafür, wie der ganze, katholische, allumfassende Glaube heute über eine „zeitgemässere Sprache“ auf Einzelaspekte reduziert wird. „Gott ist Liebe“ liess immer mehr vergessen, dass Gott zuerst einmal Gott ist, dass er nicht nur Liebe, sondern auch Gerechtigkeit, nicht nur Gerechtigkeit sondern auch Liebe ist, dass er einerseits nicht nur für uns da und uns nahe ist, sondern dass andererseits die Himmel und «die Himmel der Himmel ihn nicht zu fassen vermögen», und dass wir „auf Erden sind um Gott zu dienen“, wie es im Katechismus meiner Jugend noch hiess.

Deshalb benutze ich gerne immer wieder die Rede vom lieben Gott, wobei ich dann möglichst bewusst auszudrücken versuche, dass es um den lieben GOTT geht, nicht einfach um den LIEBEN Gott. Und weil es bei dieser Liebe um die Liebe unseres Herrn und Gottes geht, ist sie für mich auch so unendlich wertvoll und wichtig. Wäre sie nur die Liebe einer beliebigen Person, oder gar nur das Prinzip Liebe, so wäre es nicht so wichtig, ob ich mich um sie kümmere oder nicht. Damit aber wären wir beim moralistisch-therapeutischen Deismus.


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