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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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"Dir zu dienen"

  Die heilige Liturgie
29. September 2017

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Wie oft erleben wir es nicht heute, dass der Zelebrant in der heiligen Liturgie die vorgeschriebenen Texte ergänzt, präzisiert, umschreibt oder Teile davon weglässt. Meist steckt dahinter sehr viel gute Absicht. Meist meinen diese Leute damit der Liturgie, den Gläubigen oder gar Gott einen Dienst zu erweisen. Oft ist solches an sich auch mehr oder weniger harmlos. Aber manchmal kann es scherwiegende Konsequenzen haben.

Vor einiger Zeit stutzte ich plötzlich, als ich den Priester nach der Wandlung sagen hörte: „Wir danken dir, dass du uns berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen in all unseren Schwestern und Brüdern.“ Natürlich gehört es auch zu unseren Aufgaben als Christen, Gott in unseren Brüdern und Schwestern zu dienen. Aber darum geht es an dieser Stelle nun gar nicht. „Darum, gütiger Vater, feiern wir das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung deines Sohnes und bringen dir so das Brot des Lebens und den Kelch des Heiles dar. Wir danken dir, dass du uns berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen. Wir bitten dich: Schenke uns Anteil an Christi Leib und Blut und lass uns eins werden durch den Heiligen Geist.“ heisst die ganze Stelle. Es geht also bei dem hier angesprochenen Dienst um die Feier des Gedächtnisses des Todes und der Auferstehung des Herrn, um das Opfer des Leibes und Blutes Christi, das wir darbringen dürfen. Es geht um jenen Dienst, durch den wir Anteil erhalten an Christi Leib und Blut und so eins werden im Heiligen Geist. Bei der Eucharistie als Ganzes geht es – wie der Name sagt – zudem um die Danksagung und um das Opfer des Lobes. (vgl. Hebr 13,15) Das alles gehört zu unserem Gottesdienst, an dessen Ende wir dann hinaus gesandt werden in diese Welt, zum Dienst der Verkündigung in Wort und Tat.  (vgl. Mt 28,19)

Wenn nun an dieser Stelle unser Dienst an den Nächsten eingeschoben wird, so ist die Gefahr gross, dass der eigentliche, tiefe Sinn, die ganze, unfassbare Realität dieses heiligen Geschehens, in den Hintergrund gedrängt, verdunkelt, wenn nicht gar geleugnet wird. Dann riskieren wir, dass aus diesem Heiligen Messopfer, das jede Eucharistie in ihrem Wesen ist und bleibt (auch wenn viele glauben, diesen Begriff den Menschen nicht mehr zumuten zu können) eine blosse Gemeindeversammlung zur Weltverbesserung wird. Dann kann das passieren, wovor uns unser Heiliger Vater schon ganz zu Beginn seines Pontifikates gewarnt hat: „Wenn wir nicht mit den Kreuz Christi (das heisst mit dem Erlösungsopfer unseres Herrn) zu den Menschen kommen, sind wir keine Jünger des Herrn (mehr).“

Dieses und ähnliche Beispiele sollen uns lehren, die Texte und Handlungen der Heiligen Eucharistie, so wie sie uns die Kirche vorschreibt, strickte einzuhalten. Eigensinn und Besserwisserei sind hier fehl am Platz. Sie führen ganz sicher nicht zur Einheit im Glauben, zu der wir als Kirche berufen sind. Und sie zerstören unsere Glaubwürdigkeit, deren wir dringend bedürfen, wenn wir unseren Auftrag erfüllen und der Welt die frohe Botschaft verkünden und das Kommen des Reiches Gottes voranbringen wollen.


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