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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die Heiligste Dreifaltigkeit

Der ganze Gott
18. Juni 2019
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Wenn wir eine kurze und doch umfassende Katechese über die Heiligste Dreifaltigkeit suchen, so drängt sich jene Präfation geradezu auf, welche heute oft nicht einmal mehr am Dreifaltigkeitssonntag gebetet wird, in meiner Jugend aber auch für die «normalen» Sonntage ihm Jahreskreis zwingend vorgeschrieben war:

In Wahrheit ist es würdig und recht, Dir Heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Mit Deinem Eingeborenen Sohn und dem Heiligen Geist bist Du der eine Gott und der eine Herr, nicht in der Einzigkeit einer Person, sondern in den drei Personen des einen göttlichen Wesens. Was wir auf Deine Offenbarung hin von Deiner Herrlichkeit glauben, das bekennen wir ohne Unterschied von Deinem Sohn, das bekennen wir vom Heiligen Geiste. So beten wir an im Lobpreis des wahren und ewigen Gottes die Sonderheit in den Personen, die Einheit im Wesen und die gleiche Fülle in der Herrlichkeit. Dich loben die Engel und Erzengel, die Kerubim und Serafim. Wie aus einem Mund preisen sie Dich Tag um Tag und singen auf ewig das Lob Deiner Herrlichkeit:

Warum wird eigentlich dieser so schöne und tiefe Text so oft vernachlässigt, wenn nicht gar bewusst beiseite geschoben? Ich sehe nur einen Grund: Man hat sich längst von diesem umfassenden Gottverständnis verabschiedet. Gott ist die Liebe. Alles andere interessiert nicht mehr. Was hier gesagt wird könnte unsere Ichzentriertheit stören. Es könnte uns erinnern, dass Gott wahrhaft Gott ist, der Herr. Es könnte Dankbarkeit von uns fordern, wenn nicht noch mehr.

Wir haben heute ein ziemlich vages, verschwommenes Gottesbild. Das rührt daher, dass die Offenbarung nicht mehr als Offenbarung anerkannt wird, dass nur noch das anerkannt wird, was wir irgendwie begreifen oder was wir irgendwie umschreiben können. Das wiederum führt dazu, dass es im Grunde genommen keine Wahrheit mehr gibt, dass alles relativ wird. So aber lässt sich kein Glaube, keine Religion leben.

Dieser Erfahrung weicht der Mensch von heute aus, indem er sich auf Teilaspekte stürzt, welche ihm noch irgendwie plausibel erscheinen. Gottes Liebe ist ein Beispiel dafür, die Überbetonung der (menschlichen?) Person Jesu ein anderes, die Vernachlässigung des Heiligen Geistes ein drittes. Gottesdienst als Befriedigung unserer spirituellen Bedürfnisse ist eine Folge davon, Anbiederung an den Weltgeist eine andere. Man könnte noch vieles anfügen. Alle haben eines gemeinsam, sie klammern den ganzen Gott aus und stellen den Menschen, seine Bedürfnisse und Wünsche, ins Zentrum von allem. «Sektierer seine Leute, welche einen Teil der Wahrheit so heftig betonen, dass dadurch andere geschmälert oder gar geleugnet werden.» erklärte uns einmal ein Religionslehrer. Unsere Kirche wehrte sich früher dagegen, indem sie bewusst katholisch, allumfassend war. Heute ist sie geschwächt durch die sich immer weiter ausbreitende Verweltlichung. Man könnte auch von einer falschen Vermenschlichung sprechen.

Um so wichtiger erscheint mir deshalb, diese Präfation so oft als möglich zu beten und sie zum Thema unserer Verkündigung zu machen. Wir dürfen nicht müde werden zu verkünden, dass dies die Selbstoffenbarung Gottes an uns ist, dass wir dies so glauben müssen, wie die Kirche es von Anfang an bekannt und um dessen Formulierung sie in Fasten und Gebet gerungen hat. Wir müssen wieder diejenigen in Schranken weisen, welche uns «eine andere, (gekürzte, verzerrte, verharmloste) Botschaft verkünden wollen als wir sie verkündet haben. (Paulus Gal 1,8)». Oder anders ausgedrückt, wir müssen wieder zur Verkündigungen des Herrn, unseres heiligen Vaters, des allmächtigen, ewigen Gottes zurückkehren, welcher mit dem eingeborenen Sohn und dem Heiligen Geist der eine Gott und der eine Herr ist, nicht in der Einzigkeit einer Person, sondern in den drei Personen des einen göttlichen Wesens. Das ist der Glaube, den der Herr von uns erwartet. Das ist jenes Bekenntnis, das Christus meint, wenn er sagt: «Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen.» Nur das erlaubt eine Gottesbeziehung, welche den ganzen Gott umfasst, in seiner Einheit genauso wie in den drei je verschiedenen Personen.

Und wenn wir nicht verstehen, wenn uns Fragen bedrängen wie wir uns das vorzustellen haben, so dürfen wir uns an die Legende vom heiligen Augustinus erinnern, welchem ein Engel in der Gestalt eines Knaben erklären musste: «Eher kann ich mit meinem Kesselchen das Meer in diese Grube im Sand schöpfen, als dass dein menschliches Hirn das unermessliche Geheimnis von Gottes Dreifaltig zu ergründen vermag.


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