Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Glaube und Werke

  Röm 9,30-10,4
 
Der falsche Eifer

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07. März 2020
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Was heißt das nun? Heiden, die die Gerechtigkeit nicht erstrebten, haben Gerechtigkeit empfangen, die Gerechtigkeit aus Glauben. Dass Israel das Heil verfehlt, hängt damit zusammen, dass es im falschen Vertrauen auf die eigene Frömmigkeit nicht begreift, dass Gott das Heil aus Gnade schenkt. Israel aber, das nach dem Gesetz der Gerechtigkeit strebte, hat das Gesetz verfehlt. Warum? Weil es ihm nicht um die Gerechtigkeit aus Glauben, sondern um die Gerechtigkeit aus Werken ging. Sie stießen sich am «Stein des Anstoßes», wie es in der Schrift heißt: Siehe, ich richte in Zion einen Stein auf, an dem man anstößt, einen Fels, an dem man zu Fall kommt. Wer an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen. Brüder, ich wünsche von ganzem Herzen und bete zu Gott, dass sie gerettet werden. Denn ich bezeuge ihnen, dass sie Eifer haben für Gott; aber es ist ein Eifer ohne Erkenntnis. Da sie die Gerechtigkeit Gottes verkannten und ihre eigene aufrichten wollten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen. Denn Christus ist das Ende des Gesetzes und jeder, der an ihn glaubt, wird gerecht.

Ein schwieriger Text, auf den ich heute bei meiner geistigen Lesung gestossen bin. Viele haben sich daran schon sozusagen die Zähne ausgebissen, besonders wenn wir dann noch Jak 2,14 dazu nehmen: «Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten?» Und doch, scheint diese Stelle nicht gerade in unsere Zeit hinein geschrieben, wo es in der Verkündigung oft so tönt, als ginge es «nicht um die Gerechtigkeit aus Glauben, sondern um die Gerechtigkeit aus Werken»?

Dabei geht es – wenigstens nach meinem laienhaften Verständnis der Schrift – um etwas ganz Einfaches, etwas, das wiederum Jakobus klar ausdrückt, wenn er schreibt: «Du siehst, dass bei ihm der Glaube und die Werke zusammenwirkten und dass erst durch die Werke der Glaube vollendet wurde.» (Jak 2,22) Man könnte für unsere heutige Situation ergänzen: «… und dass die Werke erst aus dem Glauben heraus, auf der Basis des Glaubens, zu «guten Werken» im christlichen Sinn werden. Denn «Gutes», das tun auch die Heiden.» (vgl. Mt 5,47)

Christlich ist nie einseitig, auch wenn wir Menschen noch so sehr dazu neigen, auf komplizierte Probleme einfache Lösungen zu finden, indem wir in Einseitigkeiten verfallen. In unserem Fall heisst dies: Man kann und darf nie den Glauben gegen die Werke ausspielen, oder umgekehrt die Werke gegen den Glauben. Man sollte nie – wie es leider heute sehr oft geschieht - die Werke so stark betonen, dass der Glaube dabei als nebensächlich erscheint, und umgekehrt natürlich auch nicht, wobei diese Gefahr heute weitaus geringer ist. Wir müssen uns immer bewusst bleiben, dass unser Glaube katholisch, allumfassend ist. Denn wenn wir das vergessen, ist die Gefahr sehr gross, dass wir -nicht nur in dieser Frage, sondern in vielen anderen auch - in einen «Eifer für Gott; aber einen Eifer ohne Erkenntnis» verfallen.

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