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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Schleunigst entstauben

oder Neuevangelisation?
19. April 2017


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„Allerdings weiss ich mich nicht alleine mit der Frage nach dem Sinn der dabei alljährlich kommentarlos vorgetragenen alttestamentlichen Lesungen aus «Exodus»! Alle Ehre den jüdischen Erzählungen über die Erfahrungen einer geschlossenen archaischen Gesellschaft mit «ihrem» Gott. Mit dem «allumfassend liebevollen Vater Christi und unserein selber, Christi Schwestern und Brüder» hat «der Rächer am Ägypter» meiner Meinung nach nichts gemein.“

So war in einem Leserbrief in unserer Zeitung zum Thema Osternachtfeier zu lesen. Ich bin überzeugt, dass das erst gemeint war. Wenn dem aber so ist, wäre es dann nicht höchste Zeit, dass unsere Verantwortlichen sich ernsthaft fragen, was in unserer Kirche falsch läuft? Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder der Leserbriefschreiben hat Recht. Dann müssten wir schnellstens die liturgischen Bücher anpassen. Wahrscheinlich müssten wir dann noch vieles andere ändern, und im Endeffekt die Schrift nicht nur in eine zeitgemässe Sprache, sondern sogar in einem zeitgemässen Sinn neu übersetzen, beziehungsweise umschreiben.

Oder das Problem liegt darin, dass viele Christen heute nicht mehr über das nötige Glaubenswissen verfügen, um solche Texte in den Zusammenhang unseres katholischen, allumfassenden Glaubens einordnen zu können, weil dieser auf den „allumfassend liebevollen Vater Christi und unserein selber, Christi Schwestern und Brüder“ reduziert wurde? Sicher wurde noch zu meiner Jugendzeit der „gerechte Richter der Lebenden und der Toten“ vielfach überbetont. Aber der „liebe Gott“ ging dabei nie so stark vergessen wie heute „Gott der Herr“. Dann aber würde sich eine ernsthafte und energische Neuevangelisation aufdrängen.

Doch wie müsste eine solche heute aussehen? „Gott ist gerecht. Aber nicht so wie wir Menschen, sondern so, wie es nur ein liebender Gott es sein kann.“ Heute wird viel vom Geheimnis Gottes geredet, manchmal leider nicht, um der Wahrheit näher zu kommen, sondern um diese zu vernebeln, um sich um einen konkreten Glauben drücken zu können. Wie Gott immer gleichzeitig gerecht und barmherzig sein kann, das ist ein Geheimnis. Dass er es ist, das ist unser Glaube. Und nur aus diesem Glauben heraus machen Leiden, Tod und Auferstehung unseres Herrn einen Sinn. Nur aus dem ganzen Glauben der Kirche heraus erschiesst sich auch das Geheimnis des Bösen in der Welt, soweit wir es fassen können. Nur dieser Glaube erschliesst uns auch die ganze Schrift, so schwer zu verstehen sie auch stellenweise sein mag. Nicht mit einer einseitigen Verkündigung, auf welche Seite sie auch neigt, wird diese Lehre glaubwürdig. Und nur so riskieren wir nicht, dass falsche Schlüsse daraus gezogen werden.



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