Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Evangelisation heute

  Ez 33, 17-20
 
Worte des ewigen Lebens

30. September 2019
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Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher. Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes. Jesus erwiderte: Habe ich nicht euch, die Zwölf, erwählt? Und doch ist einer von euch ein Teufel. Er sprach von Judas, dem Sohn des Simon Iskariot; denn dieser sollte ihn verraten: einer der Zwölf.

Als ich mir jüngst im Zusammenhang mit dem synodalen Weg überlegte, wie das eigentlich gehe, diese Evangelisation beziehungsweise Neuevangelisation, von der heute oft die Rede, und von welcher doch so wenig zu spüren ist, da kam mir plötzlich diese Stelle in den Sinn. Sicher, es gibt noch verschiedene andere Stellen, welche angeführt werden könnten. Ich hatte aber kurz zuvor die Stellungnahme einer Theologin gelesen, welche sagte: «Damit die Menschen wieder gerne in die Kirche gehen, muss die Kirche sich fragen, wie sie die Glaubwürdigkeit, die sie teils verloren hat, wieder erlangen kann.»

War nicht Christus in einer ganz ähnlichen Situation? Er musste jenen, welche ihm mit irgendwelchen falschen Messiasvorstellungen folgten, Dinge sagen, welche ihnen nicht gefielen. «Was er sagt, ist unerträglich.» beschreibt der Evangelist die Reaktion der Menge und «seine Jünger murrten darüber.» Viele zogen sich zurück. Doch Jesus beschwichtigte nicht: «Wollt auch ihr weggehen?» war seine Antwort.

Sind wir nicht heute in der genau gleichen Situation? Haben viele Christen von heute nicht auch eine ganz falsche Messiasvorstellung? Das ist natürlich nicht mehr jene eines Königs und die Wiederherstellung des Reiches Israel. Ja, das ist nicht einmal mehr irgend eine Führerpersönlichkeit. Eine bessere Welt, das schaffen wir allein. Das ist - wohl ganz unbewusst - die Vorstellung eines Gurus, dessen Ideen und Vorstellungen etc. natürlich sehr nützlich und weise sind, aber nicht mehr immer ganz in unsere heute Welt hinein passen. Wenn nun die Kirche kommt und uns Dinge sagen muss, welche nicht in unsere Vorstellungen passen, dann murren auch heute viele und nicht wenige ziehen sich zurück. Und dann fragt der Herr auch uns: «Wollt auch ihr gehen?»

«Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.» antwortete Petrus dem Herrn. Wenn wir uns nun fragen, was echte Evangelisation sei, heisst das dann nicht, dass auch wir Worte des ewigen Lebens haben müssen, wenn wir wahre Jünger des Herrn sein wollen? Heisst das dann aber nicht auch, dass wir auf dem Holzweg sind, wenn wir uns nur fragen, was wir tun sollen, damit die Menschen wieder gerne in die Kirche kommen? Sind wir nicht gerade deswegen unglaubwürdig geworden, weil wir keine Worte des ewigen Lebens mehr haben, beziehungsweise weil wir Angst haben diese zu verkünden? Müssen wir uns nicht wieder darum bemühen, dass wir und alle Menschen wieder sagen können: «Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes»?

Und wenn wir uns dann noch daran erinnern, was unser Heiliger Vater in seiner programmatischen Rede an die Kardinäle nach seiner Wahl gesagt hat: «Wenn wir ohne das Kreuz gehen, wenn wir Christus ohne Kreuz bekennen, sind wir nicht Jünger des Herrn: Wir sind weltlich, wir sind Bischöfe, Priester, Kardinäle, Päpste, aber nicht Jünger des Herrn», dann wird klar, worin jene frohe Botschaft besteht, bei welcher so viele heute murren oder gar weggehen, welche wir aber auch heute noch unbeirrt verkünden müssen, damit wir den Auftrag unseres Herrn richtig erfüllen: «Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.» (Mt 28,19-20)

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