Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Gerechte und Sünder

  Lk 15,7
 
Die Umkehr

01. August 2020
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Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.

Wenn ich manchmal die Klagen so vieler – und auch meine eigenen – höre über diese schlechte Welt und so viele schlechten Menschen, so kann es vorkommen, dass ich mich auch an die Stelle der Schrift erinnere wo es heisst: „Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.“ Das kann dann sehr schön an meiner Selbstgerechtigkeit kratzen. Über was herrscht im Himmel Freude in Bezug auf mich, über all das Gute das ich tue, über all meine Gebete und frommen Übungen, über meinen Einsatz für Gott und die Kirche, oder vielleicht doch eher über jene – leider immer noch viel zu wenigen – Momente, wo ich mich aufraffe und umkehre zu Gott mit den Worten des verloren Sohnes auf den Lippen: „Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.“ (Lk 15,17-21)  

Und wenn ich manchmal Predigten höre über jenes Reich Gottes hier und jetzt, an welchem wir zu bauen haben, und ich mich dann an diese Stelle erinnere, so kann es vorkommen, dass ich mich frage, wie viel Freude im Himmel herrscht über all diese unsere Bemühungen, solange wir uns nicht, oder doch nur herzlich wenig, bemühen, zuerst selber umzukehren und dann - nicht zuletzt durch unser Beispiel - auch andere zur Umkehr bewegen? In der Werbung eines Hilfswerkes las ich einmal: „Eine Welt, in welcher ein Mensch weniger leidet, ist schon eine bessere Welt.“ Sicher. Aber müsste man nicht ergänzen: „Eine Welt, in der ein Mensch etwas besser, menschlicher, christlicher wird, ist schon eine bessere, menschlichere, christlichere Welt. Warum sollte nicht ich dieser Mensch sein?“

„Der christliche Weg zu einer besseren Welt heisst Umkehr!“ Je mehr Menschen diesen Weg gehen, desto besser wird diese Welt. Je mehr aber sich diesem Weg verweigern, desto mehr macht sich das Böse und damit das Leid breit. Je mehr Menschen mit den Kreuz Christi gehen und mit ihm zu den Menschen kommen, desto mehr kann sich die Erlösung über die ganze Welt ausbreiten. Je mehr Menschen sich mit Gott versöhnen lassen (vgl. 2.Kor 5,20) desto mehr Versöhnungsbereitschaft kann auf dieser Welt wachsen. Je weniger Menschen ihre Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus setzen (vgl. 1.Kor 15,19) desto reicher werden sie an Erbarmen und Hilfsbereitschaft gegenüber ihren Nächsten, desto grösser wird auch ihre Bereitschaft zum Verzicht, damit andere nicht oder doch wenigstens weniger leiden.

Das ist wohl der Gedanke hinter der Aussage unseres Heiligen Vaters: «Wenn wir ohne das Kreuz gehen, wenn wir Christus ohne Kreuz bekennen, sind wir nicht Jünger des Herrn: Wir sind weltlich, wir sind Bischöfe, Priester, Kardinäle, Päpste, aber nicht Jünger des Herrn.»
 
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