Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Glaube, Hoffnung, Liebe

  1.Kor 13,13
 
diese drei

25. Februar 2020
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Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; / doch am grössten unter ihnen ist die Liebe.


Da war jüngst eine Predigt, welche mir eigentlich gar nicht besonders aufgefallen ist. Es ging um die Liebe, darum, dass Gott uns liebt und wir unsere Nächsten lieben sollten. Kurz darauf folgte in einer anderen Pfarrei eine andere, welche mich irgendwie wie wachrüttelte. Es ging dort um die Stelle im 1. Korintherbrief: «Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; / doch am größten unter ihnen ist die Liebe.»

Wer - wie ich auch - erwartete, diese würde schwerpunktmässig einmal mehr die Liebe behandeln, der wurde «enttäuscht». Natürlich kam auch die grösste dieser drei göttlichen Tugenden, die Liebe, gebührend zur Sprache. Der Schwerpunkt aber lag auf der ersten, dem Glauben. Der Priester zeigte auf, wie diese drei zusammenhängen, wie sie sich gegenseitig bedingen und fördern. Dabei ist der Glaube die Basis. Ohne Glaube gibt es weder Hoffnung noch Liebe im christlichen Sinn. Ohne Liebe jedoch bleiben der Glaube Theorie und die Hoffnung eine Illusion. Ohne Hoffnung aber hängen Glaube wie Liebe irgendwie in der Luft. Oder andersherum; es ist die Liebe, welche aus unserem Glaubenswissen erst einen wirklichen Glauben macht und aus unserer Hoffnung eine Gewissheit. Es ist die Hoffnung, welche dem Glauben wie der Liebe den nötigen Tiefgang gibt, damit diese in den Stürmen dieser Welt nicht abgetrieben werden oder gar zerschellen. Beide aber stützen sich auf den Glauben. Ohne ihn wird alles relativ.

Diese drei Tugenden werden göttliche Tugenden genannt, weil sie von Gott in die Seele der Gläubigen „eingegossen“ sind. Alle anderen, menschlichen Tugenden wurzeln in den göttlichen. Diese drei sind Geschenke Gottes, welche wir uns zwar nicht selber erwerben, aber üben und pflegen können und müssen. Und alle drei müssen wir verkünden. Das ist unser Auftrag, damit alle Menschen zu Jüngern des Herrn werden. (vgl. Mt 28,19-20)

Um diesen Auftrag erfüllen zu können, braucht es Heiligkeit, Heiligkeit verstanden als: «die tiefe Beziehung zu Gott, jenes wunderbares und unergründliches Zusammenspiel von Gott und Mensch, von Gnade und Bemühen.» Glaube ist Gnade. Unser Bemühen muss es sein, ihn immer besser zu kennen und aus ihm heraus zu leben. Hoffnung ist Gnade. Unser Bemühen besteht darin, im Alltag des Glaubens jenen sicheren Grund zu suchen und zu finden und dann darauf zu bauen, welcher allen Stürmen des Lebens standhält. Liebe ist Gnade. Unser Bemühen besteht zuerst in jener Dankbarkeit, welche unsere Liebe zur Selbstverständlichkeit werden lässt.

Diese Liebe wiederum hat immer drei Dimensionen; die Liebe zu Gott zuerst und aus ihr heraus die Liebe zu unseren Nächsten und zu uns selbst. Unser Gott ist dreifaltig einer. Unsere Antwort auf seine Liebe sind die drei göttlichen Tugenden: «Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; / doch am größten unter ihnen ist die Liebe.» Es gibt keinen sicheren Wegweiser auf unserem Weg zu unserer Heiligkeit, zu unserem Heil.

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