Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Glaube und Werke

  Röm 4,5    /    Jak 2,14;17
 
eine untrennbare Einheit

18. März 2019
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Dem aber, der keine Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube als Gerechtigkeit angerechnet.

Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten?  …  So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat.

Schon die beiden Apostel, Paulus und Jakobus, scheinen sich nicht ganz einige gewesen zu sein, was nun den guten Christen ausmacht, der Glaube oder die Werke. Es ist aber nirgends beschreiben, dass sie sich deswegen in die Haare gekommen wären. Die Frage ist auch heute wieder aktuell, wobei sich die moderne Theologie scheinbar ganz auf die Seite des Jakobus geschlagen hat. Zu meiner Jugendzeit wurde dem Glauben noch eine wesentlich stärkere Bedeutung beigemessen als heute. Hat auch hier das Pendel wieder einmal von einem Extrem ins andere geschlagen?

Den Christen erkennt man an seinen Werken. Richtig. Doch "das tun auch die Heiden". Die Werke an sich machen also noch keinen Christen aus. Vielleicht müsste man sagen; den Christen erkennt man an seinen christlichen Werken. Dann aber wäre die entscheidende Frage: "Was sind christliche Werke?"

Hinter den christlichen Werken steht der Glaube. Die Beziehung zu Gott, die Liebe zu ihm, das Vorbild Christi unseres Herrn und die Dankbarkeit für sein Kreuz, sind die Triebfedern dazu. Wo uns Menschen dieser tiefe Grund - nicht nur für unsere Werke, sondern auch für unser Reden und Denken - fehlt, da ist die Bezeichnung "christlich" nur bedingt richtig, unter Umständen sogar ganz falsch.

Aus einer solchen Optik ist es dann verständlich, dass wir Menschen die christlichen Werke eines anderen oft gar nicht sehen, beziehungsweise nicht wahrnehmen. Denken wir zum Beispiel an die kontemplativen Orden. Nach menschlichem Ermessen bewirken sie in und für unsere Welt herzlich wenig. Aber die christliche Haltung hinter der treuen Pflichterfüllung ihrer Glieder ist von unschätzbarem Wert für unsere Gesellschaft. Oder denken wir an jene kranken, ans Bett gefesselten Menschen, welche z.B. mit dem Rosenkranz in der Hand, ihre Leiden aufopfern für ihre Lieben und die ganze Welt. Was diese nicht schon alles bewirkt haben, das kann kein Aktivismus für eine bessere Welt je aufwiegen.

Wenn wir aber an die Wichtigkeit des Glaubens für den Christen denken, so müssen wir noch einmal Jakobus zitieren: "Du glaubst: Es gibt nur den einen Gott. Damit hast du Recht; das glauben auch die Dämonen und sie zittern." (Jak 2,19) Was mir dabei auffällt ist, dass also weder der Glaube an sich noch die Werke den Christen ausmachen. Es ist die innere Haltung, man könnte auch sagen es ist die Beziehung zu Gott, welche dahintersteht. Es ist eine Frage der Liebe, der Liebe zu Gott zuerst und aus dieser Liebe heraus die Liebe zum Nächsten und zu sich selbst. Es kann also nicht darum gehen, die Werke gegen den Glauben auszuspielen oder umgekehrt. Es muss darum gehen, das erste und wichtigste Gebot der Gottesliebe und das zweite, das diesem gleich ist, die Nächsten- und Eigenliebe, wieder als untrennbare Einheit zu sehen und zu verkünden. Nur so dürfen wir unseren Glauben katholisch, allumfassend nennen. Und nur so wird uns der Glaube als Gerechtigkeit angerechnet werden.


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