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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Eine glückliche Zeit

Ist das alles?
27. Juni 2018
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"Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich eine glückliche Zeit. Der Redaktor" so steht es auf der letzten Seite des Rundbriefes einer katholischen Ordensgemeinschaft. Eine glückliche Zeit! Ist das alles? Noch vor fünfzig/sechzig Jahren wäre es keinem Prieser unserer Kirche eingefallen, einen Brief so zu schliessen. Zumindest hätte er angefügt: "und Gottes Segen". Doch Gottes Segen, wer fragt heute noch danach. Der ist doch bei der "grenzenlosen Liebe und Barmherzigkeit" Gottes eine absolute Selbstverständlichkeit. Den braucht man doch gar nicht erst zu erwähnen.

Doch auch ohne das. Ist wirklich eine glückliche Zeit das Wichtigste für uns Menschen? Vielleicht, wenn wir damit jenes Glück meinen, von dem Paulus schreibt: "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!" (Phil 4,4) Das aber werden wohl nur die allerwenigsten "Leserinnen und Leser" so verstanden haben. Das Glück dieser Welt, dem wir so oft nachrennen, hat viele Gesichter, aber kaum je ein göttliches. Und die wenigsten von uns sind sich noch bewusst, dass genau dieses irdisches Glück oft jenes "Opium für das Volk" ist, von dem die " Freidenker" behaupten, es sei dies der Glaube.

Wenn ich sehe, wie sehr heute Gott als "quantité négligeable" behandelt wird, wie er überall ausgeklammert wird, wo man ihn nicht brauchen, wo man alles selber und besser auch ohne ihn wissen und machen kann, dann frage ich mich manchmal, was ich mit dieser Welt, mit diesem Christentum, mit dieser Kirche machen würde, wenn ich Gott wäre. Gott sei Dank bin ich es nicht. Ja, Gott sei Dank, dass er immer noch alles besser weiss als wir, dass seine Gedanken nicht unsere Gedanken und seine Wege nicht unsere Wege sind. Gott sei Dank, dass er auch weiterhin ein in der Geschichte handelnder Gott ist, dass wir ihm vertrauen können selbst dann, wenn wir "wandern müssen in finsterer Schlucht". (Ps 23,4)

Doch, warum sollte es unter uns Christen eigentlich nicht selbstverständlich sein, unsere Grüsse und Wünsche bei passender Gelegenheit auch in Texte aus der Schrift etc. zu kleiden? Deshalb schliesse ich hier mit: "Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, möge eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren." (Phil 4,7)


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