Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Wovon das Herz voll ist

  Lk 6,43-46
 
davon spricht der Mund

04. März 2019
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Es gibt keinen guten Baum, der schlechte Früchte hervorbringt, noch einen schlechten Baum, der gute Früchte hervorbringt. Jeden Baum erkennt man an seinen Früchten: Von den Disteln pflückt man keine Feigen und vom Dornstrauch erntet man keine Trauben. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil in seinem Herzen Gutes ist; und ein böser Mensch bringt Böses hervor, weil in seinem Herzen Böses ist. Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund. Was sagt ihr zu mir: Herr! Herr!, und tut nicht, was ich sage?

"Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über." Ob diese Erkenntnis des Volksmundes der Bibel entnommen, oder vielleicht sogar viel älter ist als diese, weiss ich nicht. Auf alle Fälle steckt darin weit mehr, als wir gemeinhin daraus entnehmen. Die einfachste, aber vielleicht auch die am wenigsten hilfreiche Interpretation geht dahin, wir könnten aus dem, was der andere sagt, mehr oder weniger immer auf seinen Charakter schliessen. Das mag oft einen Hinweis geben, aber mehr nicht. Viel eher lässt sich aus dem Gesagten herauslesen, was diesen gerade beschäftigt. Doch auch hier sind die Umstände, die Beeinflussung von aussen etc., zu berücksichtigen.

"Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil sein Herz gut ist." heisst es in der (alten) Einheitsübersetzung. Der Kommentar dazu lautet: "Wörtlich: Ein guter Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor und ein böser Mensch bringt aus dem bösen das Böse hervor." So wird der Vergleich mit dem guten Baum etc. verständlicher. Es ist nicht oder nur selten das konkrete Wort, das zuverlässige Rückschlüsse zulässt. Es sind meist erst die Früchte dieser Worte, welche die wahre Absicht, die innere Haltung des Sprechenden offenlegen.

Um diese innere Haltung geht es Christus im Gleichnis. Es geht um ein Herz, welches das Böse verabscheut und ihm widersteht, und das dem Guten zugekehrt ist und sich bemüht, es auch zu tun. Man könnte auch sagen, es geht um die Beziehung zu Gott, welche sich im Reden und Tun des Menschen erahnen lässt. Es geht um jene "dreifaltige" Liebe, welche Gott von uns im Doppelgebot erwartet; die Liebe zu ihm, unserem Herrn und Gott, zuerst, und aus dieser Liebe heraus die Liebe zu unserem Nächsten und zu uns selber.

Darüber liesse sich noch viel sagen. Ein weiterer Aspekt dieser Aussage aber geht gerne vergessen: "Was den Menschen nicht interessiert, davon spricht er nicht!" Auch das ist natürlich nicht in jeder Situation richtig. Es gibt, vielleicht heute je länger je mehr, Dinge, welche den Menschen sehr beschäftigen, von denen zu sprechen ihm aber der Mainstream oder sonst etwas verbietet. Ja es gibt sogar Momente, wo der Mensch aus Liebe schweigt oder schweigen sollte, und wenn es ihn auch noch so umtreibt.

Was mir aber in diesem Zusammenhang immer wieder auffällt ist, wovon unsere Hirten - und dann natürlich auch wir selbst - (noch) sprechen und was von was nicht (mehr). Sicher kann man auch hier nicht einfach sagen: "Was der Mensch nicht glaubt, davon spricht er nicht." Aber ich glaube, der Auftrag unseres Herrn ist: "Wenn du glaubst, dann sprich davon. Das soll nicht zuletzt auch eine Bestätigung deines Glaubens sein." Denn aus einem gläubigen Herzen kommen Worte (und Taten) des Glaubens. Aus einem ungläubigen aber kommt nichts als Blabla, hochtrabendes Gerede ohne jede Überzeugungskraft.


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