Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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In dieser Welt

  Joh 17,15-19
 
Nicht von dieser Welt

13. September 2019
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Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

Diese Stelle aus dem Abschiedsgebet unseres Herrn gehört zu jenen Worten um welche wir modernen Christen gerne einen grossen Bogen machen. Wir wollen doch in sein, in dieser Welt sein, anerkannt und beliebt von dieser Welt. Das ist doch unsere Lebensrealität, diese Welt hier und jetzt. Hier leben wir und bemühen wir uns gute Menschen zu sein. Wenn alle anderen auch so wären, wie schön wäre doch diese Welt. Dass nicht alle so sind, das ist nicht zu bestreiten. Dass es einmal so sein wird, das ist unsere Hoffnung, wenn vielleicht auch nicht sofort, so doch in jener neuen Welt, welche die Schrift uns verspricht.

Und nun kommt Jesus und bittet seinen Vater uns nicht aus dieser Welt zu nehmen. Einerseits ist das nett von ihm. Es gefällt uns nämlich trotz allem hier. Andererseits, warum bittet er nicht, dass der Vater endlich diese neue, schöne Welt sende? Warum bittet er nur, dass er uns vor dem Bösen bewahre? Was meint er damit? Wir sind doch alles nur Menschen mit unseren Schwächen und unserem Versagen. Er könnte doch einfach noch bessere Menschen aus uns machen und schlimmstenfalls die ganz schlimmen einfach ausrotten wie Unkraut im Garten.

Wir seien nicht von dieser Welt, sagt er. Aber wir sind doch hier geboren. Woher sollten wir sonst sein? Er sei auch nicht von dieser Welt. Doch auch er ist hier geboren. Ach, lassen wir das. Das ist zu hoch für uns. Und wenn er dann noch von Heiligkeit und Wahrheit spricht, dann: «Darüber wollen wir dich ein andermal hören. (vgl. 1 Kor 1,23) Es könnte sonst sein, dass auch wir – so wie er es behauptet – gesandt seien in diese im Grunde genommen doch nicht so schöne, heilige Welt, wie sie eigentlich geplant war und von der wir erwarten, dass sie kommen wird. Das riecht nach Auftrag, nach Mühe und Arbeit. Das erinnert an den schmalen Weg und das enge Tor, von denen er auch einmal gesprochen hat. (Mt 7,14) Das passt doch alles so gar nicht zu unserem Gott, der nur Liebe ist, der nur das Beste für uns will, und dessen Barmherzigkeit grenzen- und bedingungslos ist. Es wäre wohl höchste Zeit, die Bibel gründliche umzuschreiben - es sei denn, wir entschliessen uns umzukehren zu Gott, von dem wir uns so weit entfernt haben. (vgl. Jes 31,6)

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