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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Jesus, Heiland, Seligmacher
25. Juli 2019
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Nun wohne ich schon seit gut sieben Jahren hier. Und erst kürzlich ist mir das Monogramm IHS hoch oben im Giebel unserer Kirche aufgefallen. Hätte man in meiner Jugendzeit einen Kirchgänger gefragt, was denn das bedeute, so wäre die Antwort umgehend erfolgt: «Jesus Heiland, Seligmacher». Auch mir war dies das erste, was mir jetzt in den Sinn kam. «Jesus, Heiland, Seligmacher» das war für uns Kinder damals, und auch für viele Erwachsene der Inbegriff unserer Frömmigkeit. Das stand für unserer Jesusbeziehung genauso wie für unsere ganze Gottesbeziehung überhaupt. Es ist schwer zu beschreiben. Es war ein schönes Gefühl einerseits, aber auch ein tiefer Glaubensakt. Es war eine direkte Anrede unseres «lieben Heilandes» einerseits, aber zugleich eine Hinwendung zu Gott, dem ganzen Gott. Darin war die ganze Dreifaltig gegenwärtig, schon als wir diesen Begriff noch kaum bewusst gehört hatten. Jesus, der Vater und der Heilige Geist bedeuteten irgendwie das Gleiche, aber auch wieder nicht. Ganz intuitiv spürten wir, dass jede dieser drei Personen ganz real, für uns einzeln ansprechbar ist, und alle drei doch nur ein Gott.

Viel später erst kamen dann die theologischen und exegetischen Erklärungen dazu. Sie sind mir nur rudimentär geblieben. So musste ich denn selbst suchen. In Kathpedia fand ich unter dem Begriff «Monogramm IHS» folgendes: «Wenn wir den Namen Jesu anrufen, denken wir an unsere Bestimmung zur Nachfolge und bitten Jesus, dass Er als unser Retter und Heiland wirken möge. Die persönliche Annahme Jesu als meinen Retter und Erlöser aus Sünde und Tod ist das Herzstück unseres Glaubens, und davon spricht symbolisch die Verehrung des Namen Jesu. Griechisch: Ιησους (Jesus), lateinisch angelehnt: Iesus Hominum Salvator, in deutscher Sprache angelehnt: Jesus Heiland, Seligmacher.»

Aber wenn ich das jetzt so schreibe, so beschleicht mir irgendwie eine Sehnsucht nach dem Glauben meiner Kindheit. Kluge und gelehrte Worte (vgl. 1.Kor 2,4) wurden uns nur selten serviert. Was die Kirche lehrte, das war einfach Tatsache, auch wenn es meist ein Geheimnis war, das wir nicht verstanden. Aber mit, beziehungsweise aus diesem Geheimnis, das uns in der Sprache unseres Glaubens vorgelegt wurde, konnten wir gut leben. Darunter konnten wir uns etwas vorstellen, immer im Bewusstsein, dass das alles noch viel grösser, heiliger, schöner ist als wir es hier auf Erden auch nur einigermassen zu erfassen vermögen. Das half uns dann auch, auch die «Gegensätze» unseres Glaubens, zum Beispiel zwischen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, zwischen Gericht und Gnade, zwischen Segen und Verdienste etc. als Geheimnisse zu akzeptieren. Das erfüllte dann auch jene Begriffe und Sprüche mit Leben, welche von vielen heute als längst überholt abgetan werden wie: «An Gottes Segen ist alles gelegen.» oder auch «Gottes Mühlen mahlen langsam aber sicher.» und was dergleichen mehr sind.

Jesus, Heiland, Seligmacher! Viel mehr brauchen wir eigentlich nicht. Alles andere wird uns hinzu gegeben werden.


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