9


Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

Alle Texte sind im Menu links aufrufbar

Mission heute


Wie erreichen wir die Menschen?

13. November 2018
Aphorismen
Gedanken-
splitter

Gedanken-
splitter Archiv

vernachlässigte Aspekte
vernachlässigte Aspekte Archiv
Weihnachts-
geschichten






Beim Pfarreikaffe nach dem Sonntagsgottesdienst beklagte sich ein Bekannter, wie schwierig es sei, Menschen, besonders junge und jugendliche, anzusprechen und zu motivieren. Man spürte eine echte Sorge aus seinen Worten. Er ist sehr engagiert in der Pfarrei. Er leite eine Gruppe, welche sich als "Denkfabrik" versteht. Diese hat schon einiges auf die Beine gesellt. Aber aller Einsatz scheint, längerfristig gesehen, eher erfolglos zu sein. Wir haben längere Zeit darüber diskutiert. Ein Rezept aber fanden wir nicht.

Mit dieser Erfahrung dürften wir in unserer Kirche längst nicht die Einzigen sein. Auf dem Heimweg erinnerte ich mich an verschieden andere Diskussionen und Abhandlungen zu diesem Thema, alle mit dem gleichen Resultat. Wie oft wurden nicht schon viel Energie und Mittel in allerlei Projekte gesteckt, manchmal mit einem vielversprechenden Anfangserfolg, manchmal von Anfang an dahinserbelnd. Der Rückgang des Gottesdienstbesuches zum Beispiel jedoch scheint unaufhaltsam zu sein.

Dann kam mir plötzlich in den Sinn, wie der Priester zum Schluss gesagt hatte: "Gehet hin und bringt Frieden." Mich stört das immer, weil es meines Wissens nicht den liturgischen Vorschriften entspricht. Und ein andrer Grund ist, dass, nach meinen Erfahrungen, niemand Frieden in seine Umgebung bringen kann, der nicht in Frieden mit sich und mit Gott lebt. Ist es aber nicht genauso mit der Freude am Glauben, an einer Gottesbeziehung, am Gottesdienst und an der Kirche? Ist vielleicht unsere eigene Freude einfach zu schwach, um auszustrahlen, um beim Anderen anzukommen?

Doch wie erwerben wir uns Freude am Glauben? Ich glaube, jeder hat hier seinen eigenen Weg. Aber eines ist allen gemeinsam, der Wille. "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!" (Phil 4,4) Freude lässt sich zwar nicht befehlen. Aber sie lässt sich üben, indem wir bewusst auf das Erfreuliche, Grosse und Schöne schauen, das uns jeder Augenblick schenkt. Das Erfreulichste, Grösste und Schönste im Leben jedoch ist Gott. Auf ihn müssen wir und die ganze Kirche uns wieder voll ausrichten. Dann wird uns alles andere dazu gegeben werden, also auch der Erfolg unserer Mission.

Doch einen Fehler dürfen wir dabei nicht machen. Wir dürfen uns nicht einfach an Gott freuen, so schön und wertvoll das auch sein mag. Wir müssen uns "ihm Herrn" freuen, wie Paulus an anderer Stelle sagt. Unsere Freude muss Beziehung sein, Beziehung zu unserem Herrn. Was ist schöner, als in der Liebe unseres Herrn zu stehen und ihn unsererseits ebenfalls lieben zu dürfen. Wenn wir das zu begreifen beginnen, werden wir ehrlich singen können: "In dir ist Freude, in allem Leide …" Und eine solche Freude ist ansteckender als alle Freuden dieser Welt.



********


Home
weitere Texte
Archiv
nach oben