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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Gott ist ein Mysterium

Das Mysterium Gottes

28. April 2019

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Im Gespräch mit einer Theologin fiel mehrmals das Wort Mysterium. Als ich mir später diese Diskussion nochmals durch den Kopf gehen liess, da fragte ich mich plötzlich, was dieses Wort für diese Dame genau bedeute, in welchem Sinn, zu welchem Zweck sie es eingesetzt habe.

«Das Wort Mysterium wird gewöhnlich mit Geheimnis übersetzt. Gemeint ist ein Sachverhalt, welcher sich der eindeutigen Aussagbarkeit und Erklärbarkeit prinzipiell entzieht – nicht einfach eine nur schwer mittelbare oder zufällig verschwiegene Information.» So definiert Wikipedia.

Wenn heute davon die Rede ist, Gott sei ein Mysterium, so kann dies in zweierlei bedeuten. Da ist zuerst einmal die agnostizistische Sicht: Gott ist etwas, das sich einer eindeutigen Aussagbarkeit und Erklärbarkeit prinzipiell entzieht. Man kann nicht konkret wissen, was oder eventuell wer Gott ist. Möglicherweise existiert so etwas, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht hat er sich sogar irgendwie uns Menschen geoffenbart. Aber vielleicht sind alle Aussagen über ihn auch nur Spekulationen des menschlichen Gehirns.

Eine andere Bedeutung jedoch erhält dieser Satz aus der Sicht des Glaubens. Hier ist Gott eine konkrete Realität, ein personales, in der Geschichte handelndes Wesen, welches sich dem Menschen geoffenbart hat. Dieser eine Gott in drei Personen ist ein Mysterium, weil die ganze Fülle seines Wesens und die ganze Logik seines Denkens und Handelns unseren geistigen und physischen Horizont in jeder Beziehung übersteigt. Wir können nur soviel von ihm wissen und verstehen, wie er sich selber uns offenbart. Diese Offenbarung an uns respektiert zudem die Grenzen unserer menschlichen Natur. Sie verwendet unsere Sprache, unsere Bilder und Vorstellungen, um uns in dieses göttliche Mysterium hinein zu führen. Und sie respektiert unsere Freiheit, sie zwingt sich uns nicht auf.

Aus diesen Überlegungen heraus wäre es wohl besser nicht davon zu sprechen, dass Gott ein Mysterium sei, sondern von Gottes Mysterium. Das würde betonen, dass Gott ganz real als Gott existiert und dass wir vieles über ihn wissen und aussagen können, nämlich all das, was er selber uns geoffenbart hat und in dessen Verständnis er uns immer tiefer einführen will. Das würde dann aber genauso betonen, dass all unsere Aussagen über ihn immer diese menschlich begrenzte Dimension haben, dass zwar die ganze, allumfassende Lehre unserer heiligen Kirche wahr ist, dass wir uns dabei aber immer bewusst sein müssen, dass all das noch weit grösser und herrlicher ist als alles, was Menschen je darüber gesagt haben und noch sagen werden.

Sehr weise umschreibt der Völkerapostel Paulus diese Tatsache an einem Beispiel im 1. Brief an die Gemeinde in Korinth: «Nun könnte einer fragen: Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben? Was für eine törichte Frage!» (1.Kor 15,35-36) Die Auferstehung der Toten ist eine Realität. Das Mysterium dabei ist das Wie. Gott, der dreifaltig Eine und sein Handeln in dieser Welt sind eine Realität. Das Mysterium ist das Wie. Bemühen wir uns also zu verstehen, so gut wie wir das können, aber verschwenden wir keine Zeit und Mühe an törichte Fragen. Da wäre nur jener tiefen, persönlichen Beziehung zum ihm abträglich, zu welcher er uns berufen hat.


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