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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die Benedikt-Option

Gedanken zum Buch von Rod Dreher
8. Oktober 2018
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Auf Grund einer Rezension habe ich das Buch von Rod Dreher "die Benedikt-Option" gelesen. Ja, was soll man dazu sagen? Als ich mir das überlegte, da fiel mir ein Wort des Völkerapostels ein: (1.Thess 5,21) "Prüft alles und behaltet das Gute!" Ich glaube, das gilt hier genauso wie bei vielen anderen Büchern (meine nicht ausgeschlossen), welche den Menschen helfen wollen, ihren Glauben zu leben. So habe ich mir denn vorgenommen, es mit einem zeitlichen Abstand nochmals zu lesen, um es besser zu verstehen.

Um dieses Werk einigermassen zu verstehen muss man wissen, dass Rod Dreher Amerikaner ist (und dies hier eine Übersetzung). Er schreibt aus seinen Erfahrungen insbesondere mit den Verhältnissen dort und auch in der amerikanischen Mentalität. Vieles kann nicht eins zu eins auf unsere Verhältnisse und Mentalitäten hier übernommen werden, obwohl auch wir hier immer mehr davon überrollt werden. Er ist zudem ein Mann, welcher zuerst zur katholischen Kirche konvertierte, sich dann aber den Orthodoxen anschloss. Er hat sehr viele Beziehungen zu freikirchlichen Gruppen und Bewegungen. Sein Buch richtet sich so eigentlich an das ganze christliche Spektrum der westlichen Welt.

Ein weiterer Aspekt scheint mir, dass er die Problematik ziemlich "weltlich" angeht. Was ihn beschäftig ist zuerst einmal, was zu tun sei, um in einer bevorstehenden nachchristlichen Gesellschaft bestehen zu können. So kommen dann verschiedene Aspekte zu kurz, welche meines Erachtens ebenfalls entscheidend für das Leben des Christen in einer solchen Gesellschaft sein werden. Als Beispiel möchte ich die Erlösung erwähnen. Papst Franziskus sagte kurz nach seiner Wahl, dass Priester jeglichen Ranges nicht Jünger des Herrn seien, wenn sie ohne das Kreuz gingen, ohne das Kreuz die Kirche aufbauten und sich zu einem Christus ohne Kreuz bekennen würden. In diesem Buch fehlen Kreuz und Erlösung weitgehend. Auch die Sakramente dürfte ruhig viel stärker hervorgehoben werden. Doch das ist immer ein Problem, wenn wir uns bemühen konfessionsübergreifend zu denken und zu handeln.

Meines Erachtens sehr gut dargestellt ist der Ist-Zustand des Christentums heute und die Entwicklung desselben seit dem Mittelalter. Auch das Kapitel über die Regel des Heiligen Benedikt finde ich nicht schlecht, selbst wenn ich diese eigentlich zu wenig kenne. Das Kapitel über eine christliche Politik ist dann sehr "amerikanisch" und damit für uns schlechter verständlich.

Die folgenden Kapitel versuchen dann, dem Untertitel: "Eine Strategie für Christen in einer nachtchristlichen Gesellschaft" gerecht zu werden. Sie sind ein sehr interessanter Überblick über verschiedene Möglichkeiten, über das was schon geschehen ist, jetzt geschieht und noch geschehen könnte / sollte. Vieles davon ist auch für Europa brauchbar, anders wird unseren Verhältnissen hier nur bedingt gerecht. Was mir darin ein wenig fehlt ist die grosse Linie, der rote Faden. Das Problem hier dürfte sein, dass in unserem zersplitterten Christentum (bis hinein in die einzelnen christlichen Gemeinschaften) ein Konsens über die gemeinsame Stossrichtung nur sehr schwer zu erreichen sein wird. Als eine solche Stossrichtung scheint im Buch ein (staatlich) unabhängiges christliches Bildungssystem zu sein. Das allein aber dürfte nicht genügen.

Im letzten Kapitel – die Benedikt Entscheidung – tönt dann wieder an, worum es eigentlich geht. Es ist die benediktinische Haltung des "ora et labora", oder um es mit einem alten Kirchenlied zu sagen:

Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen,
so wird er bei dir werden neu;
denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

Wenn wir das aus diesem Buch mitnehmen und uns dabei davon inspirieren lassen, wie für uns, hier und jetzt und in Zukunft, "der Weg Gottes" sein könnte, dann hat es sich gelohnt, es zu lesen.
 

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