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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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An der Kirche verzweifeln?

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19.  September 2019
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Das Durcheinander in unserer Katholischen Kirche ist unübersehbar. Was sollen wir tun? Zu wem sollen wir gehen? Nun stiess ich jüngst, als ich etwas anderes suchte, auf die Stelle im 1. Petrusbrief: «Liebe Brüder, lasst euch durch die Feuersglut, die zu eurer Prüfung über euch gekommen ist, nicht verwirren, als ob euch etwas Ungewöhnliches zustosse.» (1 Petr 4,5) Das wiederum erinnerte mich an Paulus: «Lasst euch nicht durch mancherlei fremde Lehren irreführen; denn es ist gut, das Herz durch Gnade zu stärken und nicht dadurch, dass man nach Speisevorschriften lebt, die noch keinem genützt haben.» (Hebr 13,9) Interessant ist hier der Hinweis auf die Gnade, welche uns das Herz stärkt, welche uns helfen will, uns nicht verwirren zu lassen.

Von Gnade ist auch in jenem alten Kirchenlied (in der Fassung meiner Jugend) die Rede, und von der Kirche, in welche uns der Herr berufen hat und von der wir nicht weichen sollen.

Fest soll mein Taufbund immer stehn, /
Ich will die Kirche hören. /
Sie soll mich allzeit gläubig sehn /
und folgsam ihren Lehren /
Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad /
In seine Kirche berufen hat; /
nie will ich von ihr weichen.

Nun denke ich, dieses Taufversprechen, das ich später in der Firmung und dann immer wieder in der Osternacht bewusst erneuert habe, ist der Wegweiser auch durch diese unsere Zeit. Treue zu Gott und zum Glauben meiner Kirche ist gefordert, besonders heute, wo der «Verwirrer von Anbeginn» wieder einmal alle Register zieht.

Das Problem ist, dass es dem Widersacher gelungen ist, den Begriff Kirche so zu verwässern, ihm so viele verschiedene Bedeutungen und Variationen zu verpassen, dass niemand mehr zu wissen scheint, was das überhaupt ist Kirche. Die Kirche ist wesenhaft der mystische Leib Christi. Ihr Haupt ist Christus der Herr. Auf ihn muss die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen und müssen wir alle hören. Deshalb ist für mich klar, dass nicht ein einzelner Theologe, und sei er noch so hochrangig, oder eine einzelne theologische Schule schon Kirche ist, beziehungsweise für die Kirche sprechen kann. So nützlich und hilfreich theologische Dispute sein können, als Meinung der Kirche, als lehramtliche Vorgabe, können deren Resultate oder gar einzelne Voten daraus erst gelten, wenn sie vom Lehramt der Kirche, vom Heiligen Vater, in aller Form anerkannt und bestätigt sind. Deshalb sollten solche Dispute eigentlich auch nicht in einer breiten Öffentlichkeit ausgetragen werden einerseits und sollten die Teilnehmer auch immer die Grenzen kennen und anerkennen, welche vom Lehramt gesetzt sind.

Damit ist für mich logisch, dass die Waffen gegen die Listen des Widersachers einerseits ein solides Glaubenswissen, die möglichst umfassende Kenntnis der ganzen, ungeschönten und unverfälschten Lehre der Kirche ist, und andererseits der Glaubensgehorsam dieser Lehre gegenüber. Beides ist heute nicht leicht. Die Verkündigung besteht oft in der Darlegung persönlicher Meinungen (was in Grunde genommen für jeden Lehrbeauftragten eine Verletzung seiner Dienstpflicht und ein Betrug an den einfachen Gläubigen darstellt). Dazu kommt der sich immer mehr ausbreitenden Relativismus, welcher versucht den ewigen Wahrheiten den Boden unter den Füssen wegzuziehen. Und nicht zuletzt ist des dem Bösen gelungen den Ungehorsam zur Tugend empor zu stilisieren und den Gehorsam als ewig gestrig zu brandmarken.

In dieser Situation ist der Gläubige oft allein, auf sich selber zurück geworfen. Das gehört zur Strategie Satans. Wir können es aber auch positiv sehen, als eine Prüfung, welche Gott zulässt um uns zu zeigen, wo wir auf unserem Weg zur Heiligkeit stehen. «Zweifel sind das Fitnessstudio unseres Glaubens» schrieb einst ein Aphoristiker. Aus solchen Situationen gehen wir, wenn wir sie an der Hand Gottes, im kindlichen Vertrauen auf ihn und in der Ergebung in seinen Heiligen Willen gehen, immer wieder gestärkt hervor.

«Heiligkeit ist die tiefe Beziehung zu Gott, ein wunderbares und unergründliches Zusammenspiel von Gott und Mensch, von Gnade und Bemühen» ist eine Definition, welche ich einmal gefunden habe. Eine solche Beziehung zu unserem Schöpfer und Herrn, und das Vertrauen auf seine Vorsehung und seine Gnade, werden uns helfen, in Ruhe und Entschiedenheit unseren Weg durch die Stürme dieser Zeit zu gehen und so einst den Frieden der ewigen Heimat zu finden. Gott hat uns die Kirche als unsere «mater et magistra», unsere Mutter und Lehrerin, geschenkt. Und wenn wir nicht mehr wissen, welche nun diese Kirche ist, so müssen wir uns einfach fragen, wer uns zu einer solchen Beziehung führt, wer uns lehrt Gott ins Zentrum von allem zu stellen, wer uns die entsprechenden Gnadenmittel vermittelt. Wer aber auf den Menschen fokussiert ist, wer sich um alles sorgt nur nicht um das ewige Heil, oder wer gar glaubt, besser zu wissen als Gott, was gut und was schlecht ist, der gehört zu jenen fremden Lehrern, vor welchen Paulus uns warnt.


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