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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Was ist los mit mir?

Versuch einer Erklärung
 
15. Mai 2020
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Als die Redaktion von kath.net merkte, dass ich mich irgendwie ein wenig zurückgezogen habe, weniger schreibe und auch meinen Twitter stillgelegt habe, da machte sie sich Sorgen um mich. (Auch an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank dafür!) Ich habe versucht, mich zu erklären. Darauf fragte mich Frau Lorleberg, ob ich daraus nicht einen Text machen könnte. Ich habe mich hingesetzt. Aber schon bald muss ich merken, dass da nichts Rechtes daraus werden würde. Zum einen fehlt die Einheit der Materie. Zum anderen werden meine Texte kaum je besser, wenn ich beginne, darum herum zu doktern. Da habe ich mich und dann die Redaktion gefragt, ob wir nicht einfach meine Ausführungen so stehen lassen sollten, so wie sie nun einmal sind. Ich glaube, all unsere Leser sind intelligent und interessiert genug auch einmal so etwas zu lesen. Ich habe geschrieben:

Herzlichen Dank für die Nachfrage. Dem Alter und den Umständen entsprechend kann ich zufrieden sein. Ich bin in letzter Zeit einfach sehr müde geworden und die Konzentration lässt nach. Sie haben es vermutlich bei meinen letzten Beiträgen gesehen, dass mehr Fehler passieren als früher. Meinen Twitter stelle ich vorläufig ein, weil ich einerseits das Gefühl habe, der Aufwand lohne sich nicht mehr. Von einigen von jenen, welche sonst regelmässig reagiert haben, habe ich schon lange nichts mehr gehört. Ich begreife das, denn immer mehr oder weniger das Gleiche zu lesen wird langweilig. Zum anderen regt mich die überhand nehmende Werbung in diesem Medium immer mehr auf.

Auch auf kath.net werde ich in der nächsten Zeit meine Kommentartätigkeit zurückfahren. Ehrlich gesagt, manchmal habe ich das Gefühl, dass ich irgendwie nicht mehr ganz in diesen Kreis passe. Das hängt natürlich auch stark damit zusammen, dass ich mit dem Alter grundsätzlich etwas weniger aggressiv geworden bin. Das regte mich bei mir selbst immer wieder auf bis es mich nun auch bei einem Teil der übrigen Kommentatoren aufzuregen beginnt. Immer mehr glaube ich, dass wir mit Klagen und Anklagen nichts erreichen, es sei denn das Gegenteil dessen, was wir möchten. Und meist werden ja nur die Symptome bekämpft. Die wahren, tiefen Ursachen – immer so wie ich es sehe – interessieren kaum. Gestern stiess ich bei meiner Bibellesung auf Paulus: «Wer euch eine andere Lehre bringt, als ich euch verkündet habe, der sei verflucht.» (vgl. Gal 1,8) Verkündet die Kirche heute über weite Strecken nicht eine ziemlich andere Lehre als Paulus? «Wir aber verkünden Christus als den Gekreuzigten.» (vgl. 1.Kor 1,23) Vielleicht bin ich schwerhörig geworden. Aber so etwas habe ich schon lange nicht mehr gehört. Für Paulus war die Sorge um das ewige Heil der unsterblichen Seele – immer wenn ich richtig verstehe – entscheidend. Heute scheint diese durch die Sorge um das irdische, materielle wie psychische, Heil des Menschen verdrängt zu werden. Ich habe kürzlich meinem Bischof geschrieben, dass die Kirche von heute nicht mehr jene Kirche sei, in der ich getauft und zu der ich mich in meiner Firmung verpflichtet habe. Die Antwort war eine Empfangsbestätigung durch das Sekretariat, welche nicht einmal bestätige, dass der Bischof meinen Gewissenskonflikt auch nur zu Kenntnis genommen hätte. Das zeigt mir, dass ich in den Augen vieler einfach ein erzkonservativer "Stürmi" bin, welcher von (moderner) Theologie nichts versteht. Aber vielleicht bin ich auch zu überempfindlich.


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