Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Sondern wie du willst

  Mt 26,39

 
Das Gottvertrauen

13. Februar 2019
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Und er ging ein Stück weiter, warf sich zu Boden und betete: Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.

Vor Kurzem habe ich mir einmal überlegt, weshalb unser himmlischer Vater seinen Sohn durch den Garten Gethsemane nach Golgotha geführt hat. Hätte nicht das unermessliche Leid von seiner Verhaftung bis zum Tod am Kreuz genügt, um uns zu erlösen einerseits. Und andererseits, kannte Christus in seiner Gottheit nicht den ganzen Sinn seines Leidens, die Unausweichlichkeit dieses Geschehens, wenn er seinen Auftrag erfüllen wollte?

Zum einen müssen wir, glaube ich, immer daran denken, dass der Herr wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch zugleich war. Diese Glaubenswahrheit erklärt vieles in der Schrift in dem Sinn, dass uns bewusst wird, dass wir es in diesem Leben nie wirklich verstehen und erklären können, dass wir vieles einfach annehmen, für wahr nehmen, glauben müssen.

Zum anderen wird doch heute viel davon geredet, dass Christus auch dazu in die Welt gekommen ist, um uns ein Beispiel zu geben. Es ist also sicher nicht falsch zu sagen, dass der Herr uns auch in dieser Stunde ein Beispiel geben wollen. Die Frage ist, ein Beispiel für was. Ich glaube es geht um unser Umgang mit jenen Stunden, vor denen wohl die wenigsten von uns verschont bleiben, wo wir so gar nicht verstehen, begreifen können, was Gott will, weshalb er uns dieses und nicht jenes zufallen lässt, wie er dieses oder jenes überhaupt zulassen kann, für uns, für andere, für unsere Kirche und die ganze Welt.

Wie verhält sich der Herr in dieser Situation? Er betet, er bittet, man könnte fast sagen er bettelt. Das ist auch für uns immer das erste, was zu tun ist. Gott weiss zwar, was wir und die Welt brauchen. Er will aber, dass wir ihn bitten. Warum das, das gäbe eine Betrachtung für sich. Dann aber geht der Herr einen Schritt weiter und ergibt sich ganz in den Willen seines Vaters. Sollte dies nicht auch für uns immer der nächste Schritt sein? Doch damit ein solcher möglich wird, müssen wir vertrauen, vertrauen darauf, dass Gott wahrhaft Gott ist, der allwissende und allmächtige. Auch das lebte und Christus am Ölberg vor. Er, dem die Vorsehung seines Vaters für ihn und die ganze Welt voll bewusst war, zeigt uns, dass auch wir uns aus diesem Glauben, aus diesem Vertrauen heraus ganz auf Gott verlassen können. "Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst." Das ist weit mehr als einfach geduldig anzunehmen, was Gott uns zumutet. Das ist, so könnte man sagen, im Grunde genommen ein Lobpreis auf die ganze Grösse Gottes. Das ist jenes Vertrauen, das weiss, dass es nichts Besseres für mich, für uns alle, geben kann, als wenn Gottes Willen an uns geschieht.


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