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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Wir sind erlöst

Aus der Erlösung leben
23. Dezember 2018
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"Ihr Anliegen ist fundamental richtig. Wir sind von Sünde und Schuld erlöst. Zu tiefst ist das das Geheimnis was wir mit Weihnachten feiern. Wir sind erlöst. Darum sind wir frohe Menschen. Darum sind wir auch hoffentlich engagiert und mutige Menschen für eine bessere Welt. Sie haben recht, es ist Sisyphusarbeit, aber die Welt wäre viel schlimmer wenn Christen sich nicht engagieren würden. Die Seele und der Leib gehören zusammen. Jesus hat kranke Menschen geheilt und hungrigen Brot und Fisch gegeben. Befreiungstheologie ist ein Ernstnehmen davon. Sie steht auf der Basis der traditionellen Theologie und ist ein Teil des Mysteriums von Christi Leben, Leiden, Tod und Auferstehung."

So antwortete mir der Provinzial eines Ordens, welchen ich darauf angesprochen hatte, dass in dessen Weihnachtsbrief Kreuz und Erlösung nicht vorgekommen seien. Irgendwie befriedigte mich diese Antwort nicht ganz. Irgendwie schien mir da etwas zu fehlen. Es dauerte ziemlich lange, bis ich merkte was.

Ja, wir sind erlöst. Christus, unser Herr, hat uns durch sein Leiden am Kreuz, seinen Tod und seine Auferstehung von Sünden und Schuld erlöst. Das ist unser Glaube. Das ist unsere Freude. Aber wenn wir das so stehen lassen, wie es hier geschrieben steht, so besteht die Gefahr, dass wir diese Erlösung als einseitiges Werk Gottes sehen. Doch Gott hat dem Menschen die Freiheit geschenkt. An dieser Freiheit rüttelt nicht einmal die Erlösertat Christi. Wir sind erlöst, aber niemand ist gezwungen, diese Erlösung anzunehmen. Es gibt keinen Erlösungsautomatismus. Jeder kann sich dieser Erlösung verweigern, ganz bewusst, oder einfach indem er sie als Selbstverständlichkeit, als Pflicht Gottes uns gegenüber, betrachtet. Wir sind erlöst, aber Gott will, dass wir sie bewusst und dankbar annehmen, oder wie Pauls es formuliert, dass wir uns mit ihm versöhnen lassen. (vgl. 2.Kor 5,20)

Das wiederum bedeutet, dass wir aus dieser Erlösung heraus leben, dass wir uns bemühen, uns mit Gottes Hilfe aus unseren Sünden zu lösen. Das ist sozusagen unser Teil am Erlösungswerk Christi. Und wo das nicht oder nicht ganz gelingt, dürfen wir immer wieder zu Gott zurückkehren mit einem reumütigen und ehrlichen "Vater, ich habe gesündigt" auf den Lippen und in unserem Herzen. Auch dieses "Recht" hat uns der Herr am Kreuz erworben. Es zu gebrauchen aber liegt uns, auch wenn er uns immer und immer wieder dazu einlädt, ja bittet.

Wenn wir nun bewusst diesen unseren Teil am Erlösungswerk Christi zu leisten versuchen, dann merken wir bald einmal, dass nicht nur wir selbst ein wenig besser geworden sind, sondern auch, dass unsere Beziehung zu den Nächsten sich entsprechend verbessert hat, dass wir ein klein wenig dazu beitragen konnte, diese Welt zu verbessern. Dann kann uns Gott auch schenken zu erleben, wie unser Bemühen anderen zum Vorbild wird, andere mitreisst, es selber auch zu versuchen und damit nun ihrerseits diese Welt wieder ein wenig verbessern. Viele Tropfen höhlen den Stein. Viele erlöste Christen, die ihre Erlösung zu leben versuchen, schwächen das Böse in der Welt und stärken das Gute. Das Kreuz Christi lehrt uns, wie Weltverbesserung läuft, nicht mit Macht und Gewalt, nicht mit Geld und Aktivismus, sondern aus der Beziehung zu Gott, aus der Liebe zu ihm, im Gehorsam gegenüber seinem Willen

Wenn wir jedoch unseren Teil am Erlösungswerk Christi verweigern, dann fallen wir leicht in den Fehler zu glauben, wir Menschen seien selber, vielleicht sogar ohne Gott, fähig, diese Welt zu verbessern. Das aber ist eine Illusion, eine Vertröstung auf das Diesseits. Natürlich müssen wir alles für eine bessere Welt tun, was wir können. Das gehört zu unseren Aufgaben hier und jetzt auf unserem Pilgerweg in die ewige Heimat. Das ist ein Gebot unseres Herrn. Aber all das muss geschehen aus der Liebe zu Gott heraus, aus der Dankbarkeit für unsere Erlösung aus Sünde und Schuld, und im Bemühen auch unseren Nächsten diese Erlösung zu vermitteln. So können dann auch diese zu Multiplikatoren dieser Erlösung werden und tragen so dieses unschätzbare Geschenk, das uns der Herr am Kreuz verdient hat, weiter in diese Welt hinein. Wenn wir aber ohne das Kreuz Christi gehen, wenn wir Christus ohne das Kreuz verkünden, wenn wir diese Welt ohne die Erlösung zu befreien versuchen, sind wir keine Jünger des Herrn.


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