| Alles
Ist Gnade, alles ist
Geschenk an mich, das
Alltägliche, wie das Ausserordentliche, also auch
Erscheinungen, Botschaften
und Wunder. So wie Ich das Alltägliche dankbar aus Gottes Hand
annehmen darf,
so darf ich auch alles wunderbare entgegennehmen als Zeichen seiner
Liebe, als
Mittel zu meiner Heiligung, als Mahnung und Belehrung, die er mir in
seiner
weisen Pädagogik zukommen lässt. Doch darf ich dabei
nie vergessen, dass gerade
das Ausserordentliche, das Wunderbare auch Stolpersteine
enthält, denen ich
sorgfältig ausweichen muss, um nicht plötzlich auf
der Nase zu liegen.
Zum einen muss das
Ausserordentliche eben immer
ausserordentlich, wunderbar bleiben. Wo Erscheinungen, Botschaften und
Wunder
zur Hauptsache meines Lebens werden, da vernachlässige ich
schnell einmal den
Alltag, da wird schnell einmal der ganz alltägliche Weg zu
Heiligkeit, zudem
ich eigentlich berufen bin, weniger wichtig. Dann beginne ich Dinge zu
vernachlässigen, die meine eigentliche Aufgabe hier und jetzt
wäre, mein Umgang
mit meinen Mitmenschen zum Beispiel, mein Verhältnis zu meinen
täglichen
Pflichten, die ganz normalen Gottesdienste und so weiter. Doch nicht um
Zeichen
und Wunder zu erleben bin ich auf Erden, sondern um im Alltag Gottes
Willen zu
erfüllen.
Zum anderen verleitet mich
das Ausserordentliche schnell
einmal dazu, mich selber als ausserordentlich zu empfinden, als besser
vielleicht, als würdiger, heiligmässiger als jene,
die solche Gnaden nicht
erhalten oder nicht wahrnehmen. Ich verfalle dann in das Gebet des
Pharisäers:
"Ich danke Dir, mein Gott, dass ich nicht so bin wie jene, die Deinen
Erscheinungen und Botschaften keine Beachtung schenken, die nicht
glauben!" Das aber ist nichts anderes, als eine äusserst
raffinierte
Versuchung Satans. Wenn ich gewürdigt werde, mit dem
ausserordentlichen Wirken
Gottes in Kontakt zu kommen, wenn ich fähig bin, dieses zu
erkennen und zu
verspüren, ja wenn ich vielleicht selber in meinem Leben
Wunder erleben durfte,
so wird dadurch nur meine eigene Verantwortung um so grösser,
so sollte ich
deswegen nur noch besser meine ganz alltägliche Berufung leben.
Eine weitere Versuchung,
der ich in solchen Situation
schnell einmal erliege, ist es, den Äusserlichkeiten eine
Wichtigkeit
zuzuschreiben, die sie nicht haben. Nie darf es zum Beispiel der Seher
sein,
der für mich im Zentrum der Ereignisse steht. Es darf immer
nur um Gott und
seinen Willen gehen. Nicht das Wunder an sich darf für mich
wichtig werden,
sondern immer nur die Grösse und Liebe Gottes und das, was er
mich durch dieses
Zeichen sagen will. Es bringt mir überhaupt nichts, an einem
bestimmten
Erscheinungsort gewesen zu sein, wenn es mir zuerst einmal darum geht
sagen zu
können, auch ich sei dort gewesen. Eine Viertelstunde Anbetung
vor dem
Allerheiligsten wäre dann bedeutend heilsamer. Sollten nicht
grundsätzlich die
reale Gegenwart unseres Herrn im Allerheiligsten Sakrament und die
Heilige
Schrift als sein real gegenwärtiges Wort für mich
immer und überall die grösste
Erscheinung, das wichtigste aller Wunder, die alles entscheidende
Botschaft
sein?
Wenn ich mich
bemühe, alles von Gott, von Christus her zu
betrachten und mich dabei durch meine Mutter, die heilige Kirche leiten
lasse,
laufe ich viel weniger Gefahr, irgend etwas an solchen Erscheinungen
und
Botschaften allzu einseitig oder gar falsch zu verstehen, die falschen
Schlüsse
daraus zu ziehen und dann plötzlich in Irrtümern zu
landen. Sehr oft nämlich
sind solche Botschaften gar nicht so leicht zu verstehen. Und die
Versuchung,
selber wissen, selber verstehen zu wollen ist gerade in diesem Bereich
sehr
gross. Nicht umsonst legt unsere Kirche diesbezüglich immer
eine grosse
Zurückhaltung an den Tag. Besonders aber dort, wo irgendwelche
Vorhersagen oder
gar Endzeitprophezeihungen ins Spiel kommen muss ich mir immer bewusst
bleiben,
dass mein beschränkter Versand meist gar nicht in der Lage
ist, diese richtig
und in ihrer ganzen Bedeutung zu erfassen.
Überall aber, wo
Gott wirkt, da ist auch Satan nicht ferne.
Er wird immer versuchen, das Wasser auf seine Mühlen zu
leiten, sei es, dass er
selber zu Täuschung und Betrug greift, gutgläubige
Menschen verwirrt, falsche
Erscheinungen, Botschaften und Wunder produziert, sei es dass er
versucht, den
menschlichen Stolz, die menschlich Schwäche
auszunützen um das echte Wirken
Gottes zu entstellen, um gutgläubige Seelen zu falschen
Haltungen und Aussagen
zu bewegen. Eines seiner Ziele ist es ja immer, die Kirche unseres
Herrn in
Verruf zu bringen, zu spalten und zu zerstören. Ich muss also
immer aufpassen,
dass er in mir nicht einen jener nützlichen Idioten findet,
der sich dazu
missbrauchen lässt.
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